#freieszene: Theater Neu-Ulm

Corona stellt gerade die freie Kulturszene vor bislang ungeahnte Herausforderungen. Doch wer sind die Künstler*innen, Theaterschaffenden und Netzwerkvertreter*innen, die mit ihrem Wirken die bayerische Szene prägen?
In einer neuen Interviewreihe stellt der Verband Freie Darstellende Künste Bayern e.V. seine Mitglieder vor.


Diese Woche: Das Theater Neu-Ulm

Copyright: Roberto Benjamini; Theater Neu-Ulm

Wo liegen die Schwerpunkte eurer Arbeit?

Das Theater Neu-Ulm ist ein Sprechtheater (geworden), welches in einer Spielzeit hundert Vorstellungen geben muss: Mit Werken der dramatischen Literatur, welche selbst produziert worden sind.

Seit wann besteht euer Theater und wie hat sich dieses seit der Gründung gewandelt?

Im Jahr 1994 als freie Bühne von Claudia Riese und Heinz Koch gegründet, hat das Theater Neu-Ulm die ersten fünf Jahre ohne jegliche Subvention einen kontinuierlichen Spielplan geboten, welcher auch Musicals, Freilichttheater und viele Gastspiele (auch Tourneen) in ganz Deutschland enthielt. Außergewöhnliche Eigenproduktionen waren ein Alleinstellungsmerkmal.

Gibt es ein Ereignis oder Projekt, das in eurer künstlerischen Tätigkeit einen ganz besonderen Raum einnimmt?

Im Jahr 2012 hat das Theater Neu-Ulm das „1. Neu-Ulmer PocketKlassiker-Festival“ organisiert. Es war als Biennale gedacht. Aufgrund fehlender finanzieller Unterstützung ist es bei einem einmaligen Festival geblieben. Der Traum von einer Biennale oder Triennale musste aufgegeben werden.

Copyright: Roberto Benjamini; Theater Neu-Ulm

Die gegenwärtige Situation stellt Künstler*innen vor existentielle Herausforderungen. Was möchtet ihr Politik und Gesellschaft vor diesem Hintergrund mit auf den Weg geben?

Kunstfreiheit ist ein Grundrecht. Uns vom Theater Neu-Ulm geht es nicht in erster Linie ums Geld(-verdienen) – etwa im Sinne von Dieter Hallervorden: “Man sollte ein Theater nicht leiten, wenn man von Gewinnsucht und Geiz getrieben ist.”
Trotz jahrzehntelanger Arbeit geht es uns noch immer ums Suchen. Da halten wir es mit Nora Gomringer: “Künstler werden die meisten, weil sie etwas suchen. Wenn sie Künstler bleiben, suchen sie in der Regel immer weiter.”

Wie kann man euch und eure Arbeit aktuell unterstützen?

Zur Zeit hoffen wir, dass unsere (keineswegs üppige) bisherige Förderung weiterläuft. „Theater ohne Publikum“ haben wir als ironisches Spiel in den 1980ern schon realisiert: Da durften die Leute durch Guckfenster in den zugeklebten Fenstern ins Theater spickeln. Digitale Formate sind für uns nichts anderes, wir verstehen Theater als analoge Kunst.

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