#freieszene: Theater DAS BAUMANN in Kulmbach

Corona stellt gerade die freie Kulturszene vor bislang ungeahnte Herausforderungen. Doch wer sind die Künstler*innen, Theaterschaffenden und Netzwerkvertreter*innen, die mit ihrem Wirken die bayerische Szene prägen?
In einer neuen Interviewreihe stellt der Verband Freie Darstellende Künste Bayern e.V. seine Mitglieder vor.

Diese Woche: DAS BAUMANN in Kulmbach (Interviewpartner: Leiter Rüdiger Baumann)

Wo liegen die Schwerpunkte eurer Arbeit? Wie würdet ihr euer künstlerisches Profil beschreiben?

Schauspiel und Regie stehen bei meinem persönlichen Schaffen im Mittelpunkt, dicht gefolgt von Schreiben und Textbearbeitung. Die Betreuung von Amateur*innen nimmt einen großen Bereich ein.
Ich versuche Theater zu machen, in dem die Betrachter*innen ihre Fragen und Widersprüchlichkeiten wiederfinden und sich dabei bestätigt oder (auch mal unangenehm) erkannt fühlen.

Seit wann besteht euer Theater und wie hat sich dieses seit der Gründung gewandelt?

Meine Entwicklung begann mit dem Entwickeln. Als Fotolaborant entwickelte ich Bilder für andere. Später machte ich welche als Fotograf für andere und nun, als Theatermacher, suche ich Bilder, die ich mit anderen teile. Zuschauen, lernen, try and error.
Seit 2002 betreibe ich ein eigenes kleines Theater ohne festes Ensemble. Anfangs war es ein Amateurbetrieb, der immer noch besteht und sogar intensiviert wurde. Parallel entstand eine professionelle Schiene. Jährlich werden mit Kolleg*innen mehrere Projekte auf die Bühne gebracht. Das Programm wird durch einige Gastspiele bereichert. Das Interesse aller Beteiligten (auch des Publikums) weitete sich schnell aus und so werden ständig weitere Ausdrucksformen und Genres ausgelotet.

Gibt es ein Ereignis oder Projekt, das in eurer künstlerischen Tätigkeit einen ganz besonderen Raum einnimmt?

Das Projekt “Spinnalto 2021”. Unser Ziel: Wir werden ein Stück zeigen. Im Freien, mit Abstand, mit Inhalt und großzügigem Rahmen. Die Veränderungen der Rahmenbedingungen, mit denen wir 2020 konfrontiert waren, wollen wir dabei miteinbauen. Mehr Infos und eine Übersicht der Projekte aus den letzten Jahren findet ihr unter www.spinnalto.de.

Die gegenwärtige Situation stellt Künstler*innen vor existentielle Herausforderungen. Was möchtest du Politik und Gesellschaft vor diesem Hintergrund mit auf den Weg geben?

Existenzielle Herausforderungen bedeuten in den meisten Ohren zunächst mal Geldnöte. Klar müssen die gelindert werden, aber genau da liegt ein Dilemma: Unser Schaffen wird lediglich in Geld aufgewogen. Das wird ihm nicht gerecht. Es geht um Wertschätzung.

Es wird wohl so sein, dass der Fokus von Politik und Gesellschaft auf eine möglichst schnelle “Normalisierung” der Wirtschaft gelenkt ist. Also alles wie früher? Normal war das doch schon lange nicht mehr! Gedacht war die Wirtschaft, glaube ich, um uns zu dienen. Nun ist sie Göttin und wir opfern ihr Menschen – andere und uns selbst.

Andererseits gibt gerade der Stillstand mir Hoffnung: Viele haben im letzten Jahr entdeckt, dass sie leben. Vielleicht wurde ihnen bewusst, dass sie mehr als Rädchen sind, die eine weitgehend sinnleere Maschinerie am Laufen zu halten haben. Ob sie merken, dass sie mehr sind als Körper? Haben sie ihre Seele entdeckt und ihren Geist? Das wäre großartig, denn dann würden sie wertschätzen können, was wir ihnen zu bieten haben.

Wie kann man euch und eure Arbeit aktuell unterstützen?

Wir freuen uns über Wertschätzung gerade für Projekte, die im Lockdown durchführbar sind, die Zuversicht geben und Lethargie bezwingen.
Als Unterstützung von institutioneller Seite wünschen wir uns eine Reform komplizierter Antragsverfahren.

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