Zum erneuten Lockdown bis Mitte April

So schnell kann es gehen: Eben haben wir noch den “Stufenplan” und die geplanten Öffnungen ab 22.03. diskutiert, nun befinden wir uns wieder im Lockdown. Wie es nach dem 12. April weitergehen wird, lässt sich noch nicht absehen.
Wir hoffen aber auf langfristige Perspektiven für die Kulturlandschaft – nicht zuletzt, da das RKI die Infektionsgefahr in Theatern, Kinos und Museen in einem aktuellen Bericht als “niedrig bis moderat” einstuft.

#freieszene: Theater Kunstdünger Valley

Corona stellt gerade die freie Kulturszene vor bislang ungeahnte Herausforderungen. Doch wer sind die Künstler*innen, Theaterschaffenden und Netzwerkvertreter*innen, die mit ihrem Wirken die bayerische Szene prägen?
In einer neuen Interviewreihe stellt der Verband Freie Darstellende Künste Bayern e.V. seine Mitglieder vor.

Diese Woche: Das Theater Kunstdünger in Valley (Interviewpartnerin: Gründerin Christiane Ahlhelm)

Theater Kunstdünger: “Der Mond zu Gast”, Credits: Manfred Lehner

Wo liegen die Schwerpunkte eurer Arbeit? Wie würdet ihr euer künstlerisches Profil beschreiben?

Das Theater Kunstdünger möchte einem jungen Publikum Freude am Mitdenken, am Mitfühlen und unerschrockenen Leben geben.

Seit wann besteht euer Theater und wie hat sich dieses seit der Gründung gewandelt?

Nach der Schauspielschule, sieben Jahren “Abendprogramm” sowie zwei eigenen Kindern erfolgte die Gründung des Theaters Kunstdünger im Jahr 2000. Unsere Schwerpunkte waren schon immer mobiles Theater, Bildersprache und Komik. Es gab eine Phase der Eigenproduktionen mit viel Mut, Chaos und wenig Auftritten. Dann bekanntere Stücke, vor allem Märchen, mit Mut, weniger Chaos und mehr Auftritten. Jetzt konzentrieren wir uns erneut auf eine Eigenproduktion – gut gefördert mit heimlichem Chaos.

Gibt es ein Ereignis oder Projekt, das in eurer künstlerischen Tätigkeit einen ganz besonderen Raum einnimmt?

Es gab einige sehr persönliche Begegnungen (teilweise direkt im Stück) mit unserem jungen Publikum, das unsere Stücke so ernst verfolgt hat und so tief in unsere Stücke eingetaucht ist, dass uns unser Beruf tatsächlich als Berufung erschienen und die Kraft von Theater am eigenen Leib bewusst geworden ist.

Die gegenwärtige Situation stellt Künstler*innen vor existentielle Herausforderungen. Was möchtet ihr Politik und Gesellschaft vor diesem Hintergrund mit auf den Weg geben?

Die jungen Menschen sind unsere Zukunft und Gegenwart. Sie sollten Theater wieder als Lerninhalt und Methode erfahren dürfen – als im Gegensatz zu anderen Ansätzen wesentlich sinnlicheres (und dabei bezahlbares) Konzept.
Von Politik und Verwaltung wünschen wir uns einfachere Anträge, ein Ende des “Flickenteppichs” aus Abrechnungsmethoden und eine effektivere Verwaltung. Künstler*innen sollten sich nicht ständig ausweisen und erklären müssen, wenn sie gleichzeitig in der KSK sind und dort eigentlich “verwaltet” werden.
Nicht nur angesichts der gegenwärtigen Krise erscheint uns die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens als sinnvoller Schritt.

Wie kann man euch und eure Arbeit aktuell unterstützen?

Wir freuen uns darauf, unser Publikum bald wieder begrüßen zu dürfen!
Eine Übersicht unserer Spieltermine findet ihr hier: https://www.theater-kunstduenger.de/spieltermine/.

Gefördert – und jetzt? Gruppenberatung des Theaterbüros München und des vfdkb

Am 25.03. von 16 bis 18 Uhr findet ein virtueller Beratungsworkshop für durch “Neustart Kultur” Geförderte statt, den wir gemeinsam mit dem Theaterbüro München organisieren.

Dabei wird es um die zentralen Fragen gehen, die sich Geförderte jetzt beantworten sollten, z.B.: Was bedeutet es, Projektträger*in zu sein? Wie geht man mit Bundesgeldern um? Wie bereitet man schon im Prozess die Abrechnung vor?

Die Teilnahme ist begrenzt, Anmeldungen sind möglich via Mail an hello@theaterbueromuenchen.de

Wir freuen uns auf den Austausch mit unseren Mitgliedern, Vertreter*innen der bayerischen Kulturszene und natürlich den Münchner Kolleginnen.

Mehr Infos unter https://theaterbueromuenchen.de/2021/03/25/gefoerdert-und-jetzt-gruppenberatung-online/.

#freieszene: Metropoltheater München

Corona stellt gerade die freie Kulturszene vor bislang ungeahnte Herausforderungen. Doch wer sind die Künstler*innen, Theaterschaffenden und Netzwerkvertreter*innen, die mit ihrem Wirken die bayerische Szene prägen?
In einer neuen Interviewreihe stellt der Verband Freie Darstellende Künste Bayern e.V. seine Mitglieder vor.

Diese Woche: Das Metropoltheater in München.

Das Metropoltheater in München

Wo liegen die Schwerpunkte eurer Arbeit? Wie würdet ihr euer künstlerisches Profil beschreiben?

Unser Hauptanliegen ist es, Stücke zu zeigen, die gesellschaftspolitische Relevanz haben, und diese in bildstarken Produktionen auf die Bühne zu bringen. Wir möchten eine Geschichte erzählen und die Gedanken und Fantasie unserer Zuschauer anregen. Das Theater ist für uns ein Ort für politische Auseinandersetzung und Reflexion über unsere soziale Wirklichkeit, der Raum gibt für die vielen Schattierungen zwischen Schwarz und Weiß, für die oftmals im Leben draußen kein Platz und keine Zeit ist. Vor allem aber ist es ein Ort der Erinnerung, nicht nur das Erinnern an unsere Geschichte, sondern ein Ort, der uns erinnert, wie es sich anfühlt, lebendig zu sein.

Seit wann besteht euer Theater und wie hat sich dieses seit der Gründung gewandelt?

Das Metropoltheater wurde 1998 gegründet, in einer Zeit, in der freie Theater in München eher schließen mussten als eröffnet wurden. Allen Unkenrufen zum Trotz („haltet ihr nicht durch“, „viel zu weit vom Stadtzentrum weg, da kommt keiner“, etc.) gehen wir nun also ins 23. Jahr. Unser Förderkreis, der Freundeskreis Metropoltheater München e.V., hat uns von Anfang unterstützt – inzwischen ist er der mitgliederstärkste Kultur-Förderverein Münchens. Kontinuierlich haben wir die Zahl der Vorstellungen und Gastspiele gesteigert, mittlerweile gastieren wir mit unseren Produktionen regelmäßig nicht nur in Bayern, sondern auch im Rest der Bundesrepublik, in Österreich, der Schweiz, Südtirol usw. In der Auswahl unserer Stücke sind wir immer politischer, gesellschaftlich relevanter geworden – wir wollen die sozialen Strömungen aufgreifen, zur Diskussion stellen, Missstände aufzeigen und Stellung beziehen, auf der Bühne aber auch hinter den Kulissen, sei es durch regionale, ökologische Produkte, die wir in unserem Cafébetrieb verwenden, die Verlegung unserer Konten zu einer grün-sozialen Bank, den Umbau zur Barrierefreiheit oder durch den Kauf von extrem energiesparenden Scheinwerfern. Schritt für Schritt versuchen wir, das Metropoltheater über das Künstlerische hinaus immer weiter zu einem sozialen, ökologischen, verantwortungsbewussten Gesamtprojekt zu machen.

Gibt es ein Ereignis oder Projekt, das in eurer künstlerischen Tätigkeit einen ganz besonderen Raum einnimmt?

Künstlerisch ist hier sicherlich die Verleihung des Bayerischen Theaterpreises 2002 für unsere Produktion “Die drei Leben der Lucie Cabrol” zu nennen – das erste und einzige Mal, dass ein freiesTheater den Bayerischen Theaterpreis erhalten hat. Was das Haus selbst angeht, so gibt es zwei Meilensteine, die einen besonderen Platz bei uns einnehmen: 2013 ist es uns gelungen, als eigens gegründete Käufer*innengemeinschaft, bestehend aus Freund*innen und Mitarbeiter*innen des Theaters, nach langwierigen und schwierigen Verhandlungen mit den damaligen Besitzer*innen das Grundstück mitsamt dem Theater zu erwerben. Die damals im Raum stehende, drastische Mieterhöhung konnte somit abgewendet und sichergestellt werden, dass das Haus langfristig finanziell entlastet ist. Kurz gesagt: Wir standen vor dem Aus, und haben es sprichwörtlich in letzter Minute geschafft. Nur wenig später, im Herbst 2013, konnten wir unseren Anbau, das Café Metropol, inklusive einer zweiten Spielstätte, eröffnen, dessen Finanzierung zu einem Großteil viele großzügige Menschen, das treue Publikum, der Freundeskreis Metropoltheater e.V., mehrere Firmen und Sponsoren möglich gemacht haben.

“Psychose”, Premiere 2021 (Credits: Jean-Marc Turmes)

Die gegenwärtige Situation stellt Künstler*innen vor existentielle Herausforderungen. Was möchtet ihr Politik und Gesellschaft vor diesem Hintergrund mit auf den Weg geben?

Grundsätzlich stehen wir hinter den Maßnahmen, auch denen, die uns hart treffen – momentan müssen das Virus und seine Ausbreitung bekämpft werden. Wenn man allerdings liest, dass Theater und Bordelle unter dem Stichwort “Freizeitgestaltung” in einem Atemzug genannt werden, dann bleibt einem doch ein bisschen die Luft weg. Abgesehen davon war die “Salamitaktik” bezüglich der Schließung bzw. Öffnung von Kulturstätten der Killer. Ein Kulturbetrieb kann nicht im Zwei-Wochen-Rhythmus rauf- und runterfahren – der gesamte Betrieb musste sich also bereithalten, es wurde vorgeplant und rückabgewickelt in allen Abteilungen, Spiel- und Dienstpläne wurden erstellt und wieder abgesagt, Projekte wurden konzipiert, abgeändert, angepasst und doch abgesagt, usw. Die Theater offiziell für drei oder vier Monate zu schließen und den Kulturschaffenden damit Planungssicherheit zu geben, wäre für alle besser und auch billiger gewesen.
Ein weiteres Problem ist die immer noch unzulängliche Situation der freien Künstler*innen, die bisher immer wieder durchs Raster gefallen sind. Denn der Großteil erzielt sein Einkommen aus unterschiedlichen Einkommensarten: Löhne, Honorare und unternehmerische Gewinnanteile aus umsatzsteuerbefreiten Künstler-GbRs, die wiederum Voraussetzung für die Aufnahme in die Künstlersozialkasse sind. Hierfür greift keines der existierenden Konzepte. Wir haben von Anfang gesagt, wir bezahlen unsere Künstler auf freiwilliger Basis für zugesagte und dann coronabedingt abgesagte Vorstellungen, und zwar nach den Kurzarbeit-Regeln. Wären unsere Künstler*innen allein auf die staatlichen Hilfe angewiesen, wäre das eine Katastrophe für sie gewesen. Wir unterstützen unsere Künstler*innen, wo es geht, aber das bedeutet eben auch, dass wir an unsere Rücklagen gehen müssen. Hier muss noch viel mehr und vor allem unkompliziertere Hilfe vom Staat kommen.
Zum guten Schluss ein Wort zu der immer wieder diskutierten Frage der “Systemrelevanz” von Kultur: Wir sehen, was momentan in unserer Gesellschaft passiert. Es geht im Moment nicht darum, ob man mal für eine Weile aufgrund einer Pandemie keine Kulturveranstaltungen besuchen kann. Es geht darum zu erkennen, dass es die größte Gefahr unserer Zeit ist, die identitätsstiftenden gesellschaftlichen Narrationen den rückwärtsgewandten Kräften zu überlassen. Denen, die glauben, im Müll der Geschichte Antworten auf die Herausforderungen dieser Zeit zu finden. In einer Zeit, in der das World Wide Web zu einem einzigen Echoraum mutiert ist, in dem nur die eigene Stimme widerhallt und verstärkt wird. Dem nichts entgegensetzen zu können, greift das Selbstverständnis des Großteils der Kulturschaffenden an. Das Theater ist der Raum, wo man ein wenig Ordnung in das Chaos bringen kann, das wir Leben nennen. Wo wir von der Widersprüchlichkeit, der Fehlbarkeit, der inneren Zerrissenheit und ja, auch der Endlichkeit des Menschen erzählen können. Dieser Raum fehlt jetzt, und deshalb ist das Gleichgewicht der verschiedensten Kräfte da draußen empfindlich gestört. Vielleicht ist Theater also nicht systemrelevant, es ist aber in jedem Fall demokratierelevant – darüber kann und muss gesprochen werden.

Wie kann man euch und eure Arbeit aktuell unterstützen?

Wir verzichten auf das Streamen von Theaterproduktionen, da wir der Meinung sind, es muss nicht immer ein (zumeist ja letztendlich unzulängliches) Substitut für alles gefunden werden. Abgesehen davon wäre ein hochqualitativer Mitschnitt eines Theaterabends, mit mehreren Kameras, Schnitt und Gegenschnitt, eben einer Extra-Bildregie, etwas, was für uns quasi nicht bezahlbar ist. Dafür haben wir letztes Jahr die Video-Reihe UTOPIA online gestellt, in der unsere Ensemblemitglieder während des ersten Lockdowns in Heimarbeit Clips verschiedenster Inhalte gedreht haben, in denen sie ihre Gedanken zur Zeit während und nach Corona verarbeitet haben. Diese Video-Reihe ist ungeheuer vielfältig und schillernd und kann auf unserem Youtube-Kanal angesehen werden.
Im April planen wir dann doch unseren ersten Livestream – allerdings nicht Theater, sondern Musik. Unser Ensemblemitglied James Newton hat seine erste Platte aufgenommen, im Gespräch mit Metropol-Leiter Jochen Schölch wird er über die Enstehungsgeschichte hinter diesem Album sprechen und die beiden werden natürlich auch in die Platte reinhören.
Unterstützung erfahren wir Gott sei Dank seit letztem Jahr von unserem Publikum auf unfassbar großartige und nicht versiegende Art und Weise – es wurde auf die Rückerstattung gekaufter Eintrittskarten verzichtet, viele Theaterfans sind unserem Freundeskreis beigetreten, haben dem Freundeskreis Geld gespendet, manche sogar mehrfach. Wir sind wirklich extrem dankbar für diese treue und großzügige Unterstützung, ohne die wir kaum durch diese Zeit gekommen wären. Natürlich ist und bleibt es trotzdem schwer, zumal wir ja weiterhin noch nicht spielen können. Wer uns also unterstützen möchte, findet auf unserer Homepage alle Infos zu einer Freundeskreis-Mitgliedschaft und/oder kann direkt online einmalig spenden. Das Allerwichtigste aber ist, dass unser Publikum wieder zu unseren Aufführungen kommt, sobald die Umstände einen Spielbetrieb wieder erlauben.

Stellungnahme des vfdkb zu den geplanten Öffnungen ab dem 22. März

Der Bayerische Ministerrat hat beschlossen, dass ab dem 22. März 2021 Theater wieder öffnen können, wenn die 7-Tage-Inzidenz seit mindestens 14 Tagen den Wert von 100 nicht überschritten hat und die Entwicklung des Infektionsgeschehens stabil oder rückläufig ist.

Prinzipiell begrüßen wir es, dass mit den weiteren Öffnungsschritten mehr Eigenverantwortung an die Kunst- und Kulturschaffenden zurückgegeben wird.
Bei unseren Mitgliedern und den Zuschauer*innen hat die neue Regelung allerdings für Unsicherheit gesorgt: Der Verwaltungsaufwand erhöht sich und es ist unklar, wann Verträge zwischen Institutionen und Künstler*innen Bestand haben.

Die Hygienekonzepte unserer Mitglieder werden sicherstellen, dass sich das Publikum wieder willkommen fühlen darf. Jedoch hoffen wir auf langfristige Perspektiven und eine verbesserte Planungssicherheit.

#freieszene: Theater Mummpitz Nürnberg

Corona stellt gerade die freie Kulturszene vor bislang ungeahnte Herausforderungen. Doch wer sind die Künstler*innen, Theaterschaffenden und Netzwerkvertreter*innen, die mit ihrem Wirken die bayerische Szene prägen?
In einer neuen Interviewreihe stellt der Verband Freie Darstellende Künste Bayern e.V. seine Mitglieder vor.

Diese Woche: Das Theater Mummpitz in Nürnberg.

Wo liegen die Schwerpunkte eurer Arbeit? Wie würdet ihr euer künstlerisches Profil beschreiben?

Theater Mummpitz bringt generationenübergreifende Geschichten zum Staunen, Lachen und Nachdenken für Kinder zwischen 4 und 12 Jahren und ihre erwachsenen Begleiter*innen, aber auch für unbegleitete Erwachsene auf die Bühne. Ein schwereloses Mädchen, ein dichtender Großvater, Königinnen und Ritter und viele andere Figuren mehr entführen die Zuschauer*innen mit mal poetischen, mal komischen und immer musikalischen Geschichten von kleinen Ängsten und großen Taten in die wunderbare Welt der Fantasie.

Seit wann besteht euer Theater und wie hat sich dieses seit der Gründung gewandelt?

Das Mummpitz gibt es seit 1980. Seitdem machen wir kontinuierlich Theater für alle ab 4 Jahren mit wechselnden Themen, in wechselnden Besetzungen, mit konstantem Engagement und sich stetig entwickelnder Ästhetik. Wir spielen lokal, regional, national und auch in Europa. Unser Theater steht in Nürnberg, trotzdem fahren wir gerne zu Gastspielen. Wir machen aber nicht nur Theater, sondern vermitteln auch Theater durch Workshops, Schauspielkurse und Fortbildungen.

Gibt es ein Ereignis oder Projekt, das in eurer künstlerischen Tätigkeit einen ganz besonderen Raum einnimmt?

Seit 2000 das Europäisch-Bayerische Kindertheaterfestival panoptikum und seit 2009 der Nürnberger Kulturrucksack. Und in der alltäglichen Theaterarbeit ist Musik immer dabei.

Theater Mummpitz: Der DreiGroschenOpa

Die gegenwärtige Situation stellt Künstler*innen vor existentielle Herausforderungen. Was möchtet ihr Politik und Gesellschaft vor diesem Hintergrund mit auf den Weg geben?

Kinder konnten im Oktober 2020 ein paar Wochen lang Theater erleben und wir haben gesehen: sie brauchen die Begegnung mit Kunst dringender denn je. Denn Kunst gibt Raum für Humor, für Utopie, für Fragen und Erlebnisse. Kulturangebote für Kinder und Jugendliche stärken und unterstützen junge Menschen und damit auch Familien und Bildungsinstitutionen, die sich in einem Dauerzustand der Überforderung und Verunsicherung befinden.
Deshalb müssen die Interessen und die Rechte von Kindern und Jugendlichen in den aktuellen Debatten eine zentrale Rolle spielen!

Wie kann man euch und eure Arbeit aktuell unterstützen?

Aktuell bieten wir virtuelle Formate an: Jazz für Kinder online auf Youtube (pro Monat gibt es eine Premiere) und unsere Reihe Radio Mummpitz auf Soundcloud.

#freieszene: Sensemble Theater Augsburg

Corona stellt gerade die freie Kulturszene vor bislang ungeahnte Herausforderungen. Doch wer sind die Künstler*innen, Theaterschaffenden und Netzwerkvertreter*innen, die mit ihrem Wirken die bayerische Szene prägen?
In einer neuen Interviewreihe stellt der Verband Freie Darstellende Künste Bayern e.V. seine Mitglieder vor.

Den Auftakt macht das Sensemble Theater in Augsburg.

Wo liegen die Schwerpunkte eurer Arbeit? Wie würdet ihr euer künstlerisches Profil beschreiben?

Unsere Schwerpunkte liegen im Bereich zeitgenössisches Theater und Gegenwartsdramatik. Wir reagieren zeitnah auf gesellschaftliche Entwicklungen und setzen diese in Szene – so wurden schon über 50 Uraufführungen realisiert. Uraufführungen wie “Hamlet for You” oder “Marathon” werden national und international nachgespielt. Zahlreiche Stücke und Stückaufträge beziehen sich aber auch direkt auf die Augsburger Geschichte.
Für zusätzliche Projekte wie die “Augsburger Gespräche zu Literatur und Engagement” kooperieren wir z.B. mit der Uni Augsburg und dem Friedensbüro der Stadt – und engagieren uns für eine Weiterentwicklung der Kulturszene der Stadt Augsburg.
Als Mitglieder im bundesweiten flausen+-Netzwerk und Veranstalter internationaler Festivals (Internationales Gavran-Fest, Internationales Improtheater-Festival) sind wir einerseits fest regional verwurzelt, andererseits auch überregional sehr aktiv.

Seit wann besteht euer Theater und wie hat sich dieses seit der Gründung gewandelt?

Aus einer Studententheatergruppe heraus gegründet, professionalisierte sich das Sensemble um Theaterleiter Sebastian Seidel schnell. Seit 2000 betreibt das Sensemble Theater eine eigene Spielstätte für zeitgenössisches Theater in der Kulturfabrik.

Gibt es ein Ereignis oder Projekt, das in eurer künstlerischen Tätigkeit einen ganz besonderen Raum einnimmt?

Kein einzelnes Projekt, sondern eher eine Haltung: Wir sind ein Theater, das nach wie vor auf das geschriebene Wort setzt. Ein literarisch lebendiges Theater. Da sind zum Beispiel die Uraufführungen aus unserer “Werkstatt für neue Dramatik”: Stücke, die in Augsburg geboren werden und überregional und international nachgespielt werden.
Teil unserer Tätigkeit sind auch Stückentwicklungen, Projekte wie die “Quickies”-Theaternächte mit kleinen Uraufführungen sowie deutschsprachige Erstaufführungen wie die Stücke von Miro Gavran.

Die gegenwärtige Situation stellt Künstler*innen vor existentielle Herausforderungen. Was möchtet ihr Politik und Gesellschaft vor diesem Hintergrund mit auf den Weg geben?

Wir befinden uns im „Katastrophenfall“ – die Vorgänge in der Verwaltung wirken aber wie im „Normalfall“ hängengeblieben. Die Künstler*innen und die Kunst wurden zu lange als nicht „systemrelevant“ eingestuft, in Verlautbarungen nicht erwähnt und in Regelungen nicht bedacht. Wenn es nicht endgültig still werden soll im Bereich Kunst und Kultur, darf das nicht wieder geschehen. Wir persönlich setzen uns für ein Bürger*innengeld ein, das die Situation entschärfen könnte.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um in die Zukunft zu blicken und sich zu überlegen, wie wir in dieser Zukunft leben wollen. Ein Zurück zum Davor darf es nicht geben.

Wie kann man euch und eure Arbeit aktuell unterstützen?

Eine Möglichkeit der Unterstützung sind natürlich direkte Spenden bzw. der Kauf von Gutscheinen für die Zeit „danach“.
Auf unserer Website www.sensemble.de versuchen wir mit kurzen digitalen Angeboten, den Kontakt zu unseren Zuschauer*innen zu halten. Grundsätzlich lebt Theater, wie wir es machen, vom Live-Erlebnis mit Zuschauer*innen und vom Gespräch nach der Vorstellung an unserer Theater-Bar. Um den so wichtigen Kontakt zu unseren Gästen zu halten, stellen wir aber immer wieder kurze Ausschnitte aus Aufführungen online und planen, eine Lesereihe zu streamen.

Verlängerung des Soloselbstständigenprogramms

Das Soloselbstständigenprogramm für Künstler*innen und Angehörige kulturnaher Berufe wurde bis zum 30. Juni 2021 verlängert. Die Anträge für die Monate Januar bis Juni 2021 können über folgenden Link gestellt werden: https://www.bayern-innovativ.de/soloselbststaendigenprogramm.
Auch können noch bis zum 31. März 2021 Anträge für die Monate Oktober bis Dezember 2020 eingereicht werden.

Weitere Infos unter https://www.stmwk.bayern.de/allgemein/meldung/6605/seite-an-seite-in-der-krise-soloselbststaendigenprogramm-wird-verlaengert.html.

Digitale Veranstaltungsreihe “Freie Kunst-Szene Bayern” ins Leben gerufen

Das Bayerische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hat eine neue Webinar-Reihe initiiert, die sich an Vertreter*innen der Freien Künste in Bayern richtet.

Die Idee hierzu ist während des digitalen Runden Tischs “Freie Kunst-Szene – Aktueller Stand und Zukunftsperspektive” mit dem Staatsministerium und den bayerischen Verbänden der Freien Künste entstanden.

Die Angebote der Seminarreihe reichen von der Realisierung digitaler Geschäftsmodelle über Formen sozial-ökologischer Kulturarbeit bis zum Storytelling für Künstler*innen.

Mehr Informationen auf der Seite des Staatsministeriums: https://www.stmwk.bayern.de/kunst-und-kultur/freie-szene.html

#kulturtrotztcorona: Anstehende Fristen für Förderprogramme

Bewerbung für das Programm #TakeCare
Noch bis zum 01. Februar 2021 ist es möglich, Anträge für die Förderprogramme des “Fonds Darstellende Künste” zu stellen, darunter auch das stipendienartige, ergebnisoffene Programm #TakeCare. Die Förderung in Höhe von bis zu 5.000 € wird an Einzelkünstler*innen vergeben. Langjährig kollektiv arbeitende Künstler*innengruppen können ihre Anträge für bis zu fünf antragstellende Personen zum selben Vorhaben gebündelt stellen.
Dazu zwei wichtige Hinweise: Ein Vorhaben kann jeweils nur einmal in einem der Förderprogramme des Fonds Darstellende Künste beantragt werden; parallele Antragstellungen sind nicht zulässig. Auch können Künstler*innen in einer Förderrunde nur ein Vorhaben beantragen.
Weitere Details hält die Infoseite des “Fonds Darstellende Künste” bereit.

Bewerbung für das Soloselbstständigenprogramm
Wir möchten alle Mitglieder noch einmal dazu aufrufen, das Soloselbstständigenprogramm für freischaffende Künstler*innen sowie Angehörige kulturnaher Berufe zu nutzen. Anträge können rückwirkend für die Monate Oktober bis Dezember 2020 gestellt werden. Die Kombination mit der Coronahilfe des Bundes ist möglich. Anträge können bis einschließlich 31. März 2021 eingereicht werden.
Mehr Infos finden sich auf der Homepage des Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst; die Antragstellung erfolgt auf dem Portal von Bayern Innovativ.

Bewerbung für das Programm “Neustart Kultur” für Privattheater
Das Programm “Neustart Kultur” für Privattheater, ein Projekt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und des Deutschen Bühnenvereins, geht in die Verlängerung. Die maximale Fördersumme von 140.000 € bleibt ebenso unverändert wie die aktuell schon bestehenden Fördermöglichkeiten. Anträge können bis zum 31. März 2021 gestellt werden.
Für weitere Infos siehe die Pressemitteilung des Bühnenvereins.

Informationen zu weiteren Förderprogrammen finden sich auch auf unserer Homepage.